Wer a Gööd hod ... - WIENzig
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Geld Synonyme - WIENzig

Wer a Gööd hod …

Von Nedsch, Marie und Schodda: Geld im Wienerischen

 

Wenn man gstopft ist und die Marie reichlich vorhanden ist, lässt sich’s gut leben in Wien. Der Herr Ober kriegt Schmattes, die Kinder ausreichend Knedl zum verurassen. Ist man hingegen neger und fehlt das Gerschtl, ist es weit weniger leiwand. Zwar kriegt man vieles um a poa Nedsch, aber ohne Schodda macht man keine großen Hupfer. Da braucht man schon wen, der einem an Kies schnorrt oder an Flieder ummereibt

 

Nichts verstanden? Kein Wunder: Im Wienerischen gibt es viele Wege, über’s Gööd (“Geld”) zu reden. Woher aber kommen die ganzen seltsamen Wörter für ebendas Material, das der Menschheit Segen und Übel ist?

 

Vokabular vom Rande der Gesellschaft

 

Da dem Geld immer schon etwas Anrüchiges anhaftete, fand man schon früh Ersatzausdrücke dafür. Besonders in gesellschaftlich wenig geachteten Kreisen, die das Geld zum Überleben brauchten – kleine Handwerker, jüdische Händler und Geldverleiher, fahrende Tandler und Gauner – entstanden zig kreative Ausdrücke für Geld. Viele Angehörige dieser Randgruppe sprachen Rotwelsch, einen Soziolekt mit vielen jiddischen und slawischen Einflüssen, dem das Wienerische noch heute seinen Bilderreichtum verdankt.

 

Aus Jiddisch wird Wienerisch

 

Viele rotwelsche Wörter wurden ins Wienerische adaptiert, so etwa es Knedl für “Geld”. Mit dem essbaren Schmankerl hat das Wort allerdings wenig zu tun, viel eher kommt Knedl vom jiddischen genewo (“Diebstahl”), einem Wort, das auch den Wortstamm für Ganove (“Gauner”)  bildet. Auch der deutschen “Knete” sagt man diesen Ursprung nach. Ebenfalls jiddischen Ursprungs ist die Bezeichnung Schmattes (“Fetzen”, “Lappen”) für Trinkgeld. Vermutet wird hier, dass mit den Lappen Geldscheine von geringem Wert gemeint sind.

 

Von rieselnden Münzen und vergessenen Währungen

 

Ebenfalls beliebt im Geld-Vokabular des Wieners sind Gleichsetzungen von Geld mit rieselnden Substanzen wie etwa Schodda (“Schotter”), Kies (“Kieselsteine”), Zaster (von rom. saster “Eisen”) oder Gerschtl (“Gerste”). Die Marie (“Geld”) und die Netsch (“kleiner Geldbetrag”) hingegen erinnern nicht nur an rieselndes Material, sondern an tatsächliche Münzen: Der Maria-Theresien-Taler in Silber wird seit 1741 bis heute geprägt. Der Etsch-Kreuzer war eine mittelalterliche Südtiroler Kleinmünze, die Netsch kamen also über das Tirolerische nach Wien.

 

Kleines Wiener Geld-Wörterbuch

 

In punkto Geld-Vokabular zeigt das Wienerische einmal mehr, dass es eine wilde Mischkulanz (von it. mescolanza “Mischung”) aus kulturellen Einflüssen ist. Vor allem dem Rotwelschen als Sprache der unteren 10.000 sind viele Wörter und Redewendungen geschuldet. Hier eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Wörter und Sprüche zum Thema Gööd:

 

Flieder Geld

Gerschtl “Gerste”, Geld

gstopft sein reich sein

Kies “Kiesel”, Kleingeld im Münzformat

Knedl Geld, von jidd. genewo “Diebstahl” → siehe auch Ganove

Marie Geld, vom Maria-Theresien-Taler

(a poa) Nedsch kleiner Geldbetrag, vom Etsch-Kreuzer, einer alten Kleinmünze

neger sein pleite sein, → Negerant

ruck/reib/schiab umme (…) rück (…) rüber

Schmattes Trinkgeld, von jidd. shmatte “Lappen”, “Fetzen”, ev. Geldschein

Schmiergööd Bestechungsgeld, von hebr. smirah “Wächter”

schnorren 1. betteln, 2. leihen

Schodda “Schotter”, Kleingeld im Münzformat

Zaster vermutlich von Romani saster “Eisen”

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