Schas im Woid - WIENzig
fade
122434
post-template-default,single,single-post,postid-122434,single-format-gallery,eltd-core-1.2.1,flow child-child-ver-1.0.1,flow-ver-1.6.2,,eltd-smooth-page-transitions,ajax,eltd-blog-installed,page-template-blog-standard,eltd-header-vertical,eltd-fixed-on-scroll,eltd-default-mobile-header,eltd-sticky-up-mobile-header,eltd-dropdown-default,wpb-js-composer js-comp-ver-5.7,vc_responsive

Schas im Woid

Ein Schas im Woid verhallt (und verduftet) unbemerkt und ist jedem wurscht. Wenn einen Wiener also etwas so viel interessiert wie a Schas im Woid, dann ist ist es ihm herzlichst egal.

 

„Des interessiert mi so vü wia a Schas im Woid.”

„Das interessiert mich so sehr wie ein Darmwind im Walde.”

 

Mit dem Oasch und seinen Funktionen schimpft sich’s gut, so viel steht fest. Auch der Schas – gut Wienerisch für eine anale Lautäußerung mit unguten olfaktorischen Nebenwirkungen – steht hoch im Kurs. Der Schas bezeichnet allerdings nicht nur grausliche Darmwinde („Er hot an Schas lossn.”), sondern auch Dinge, die absolut sinnlos, dumm, unwichtig oder gering sind – siehe Ausrufe wie „A so a Schas!” („So ein Schwachsinn!”) oder „Des kost an Schas.” („Das ist ohnehin recht günstig.”).

 

Wer an Schas redet, redet gleichermaßen an Topfn („einen Quark”), also ungeheuerlichen Unfug.

 

Auch kreativere Ausdrucksformen erlaubt der Schas. Fügt man etwa Quastln, also dekorative Büschel aus gleich langen Wollfäden, hinzu, wird aus dem gewöhnlichen Schas ein ausgeschmückter, pompöser Schas: ein Schas mit Quastln.  Will man jemandem deftig mitteilen, dass er nicht so neugierig zu sein braucht, sagt man am besten „Des geht di an Schas on.” („Das hat dich nicht zu interessieren.”). Der Schas im Woid (Lat. flatus in silva) benennt ein Ereignis, das etwa so erwähnenswert ist wie ein Furz im Walde. Wer wegen an jedn Schas grantig wird, ist wohl ein Choleriker, der bei jeder Kleinigkeit die Beherrschung verliert. Wenn jemand umanandaschiaßt wia da Schas in da Hosen, dann eilt er nervös und überaus geschäftig umher – wörtlich ebenso eilig wie der Furz im Beinkleid. Sich an Schas eintretn bezeichnet ein unliebsames Ereignis mit Folgen, etwa eine Liaison mit der Frau des Chefs.

 

Vokabeltipp zum Schluss: Das herrliche Wort Schastrommel bezeichnet eine unfreundliche, meist etwas umfangreichere alte Frau.

 

Praktischer Guide

 

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Schimpfen wie ein echter Wiener

 

Schimpfen wie ein echter Wiener
Holzbaum Verlag
9,99 Euro

 

Cartoon: MAGraff

Keine Kommentare

Kommentieren